Szenenbild aus The Young Pope

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Von der Keuschheit

Keuschheit kommt vom Lateinischen conscius.
Keuschheit heisst "bewusst".
Bewusstsein heisst im Englischen "consciousness".
Keuschheit wird auch als heilige Reinheit bezeichnet.

Seit die Quantenphysik das Bewusstsein vor die Materie stellt, sind wir eingeladen, zu einem Verständnis zu kommen, was bewusst sein, also Keuschheit, für unser Leben bedeuten könnte.

Jede und jeder kann ganz allein sich dieser Frage nähern: Was ist Bewusstsein? Die Antwort wird das Leben geben. Diese Annäherung verlangt jedoch eine ganz bestimmte Haltung und diese Haltung nenne ich Keuschheit.

Papst Paul VI hat darüber gesprochen. Er redet vom "Geist der Keuschheit" und unterscheidet diesen vom gewöhnlichen Verständnis von Keuschheit:

"Was die Keuschheit betrifft, ich meine den Geist der Keuschheit, so muss man der Welt verständlich machen, dass sie keine nebensächliche Kraft ist, am Rande, nötig nur für bestimmte Lebensumstände und die also der Grossteil der Menschen beiseite lassen kann."

Er spricht von der Meisterschaft der Keuschheit: " Diese Meisterschaft ist unverzichtbar für die Menschenwürde".

Der Papst weiter: "Ich wage zu sagen, dass die Keuschheit das erreicht, wonach die Modernen mit Recht sehr stark drängen: Die Verfügbarkeit, die Selbstbestimmung, die Freiheit. Lasst uns nicht fürchten, sehr hoch von dem zu sprechen, über das der Grossteil der Leute ganz niedrig denkt: Es gibt keine wahre Freiheit ohne den Geist der Keuschheit."

Paul VI spricht von Verfügbarkeit, Selbstbestimmung. Freiheit. Der deutsche Liedermacher Konstantin Wecker singt von einem "Moment, der ohne Lügen den Kreislauf dieser Welt zum Stehen brachte. Wir konnten zwanglos über uns verfügen. Und da war nichts, was uns beschränkte und bewachte."

Paul VI spricht im Zusammenhang mit dem Geist der Keuschheit von der Herrschaft des Geistes über das Fleisch. Das Fleisch ist in der Bibel die Metapher für den Materialismus, das Irdische, das Menschliche. Der Apostel Paulus sagt: "Ich tue euch aber kund, liebe Brüder, dass das Evangelium, das von mir gepredigt ist, nicht menschlich ist."

Fjodor Micheilowitsch Dostojewski: Der Grossinquisator

Fjodor Micheilowitsch Dostojewski: Der Grossinquisator

Über das Menschliche hinausgehen

Keuschheit ist eine Geisteshaltung. Keuschheit ist auch der Wunsch unseres Herzens seit unserer Geburt als Mensch: Dass wir als göttliche Wesen das Weltliche übersteigen.

Link zum Text

Meister Eckhardt: "Jungfrau heisst so viel wie: Ein Mensch, der aller fremden Bilder ledig ist. So ledig, wie er war, als er nicht war."

Der Geist der Keuschheit ist ein radikaler Geist. Der Geist der Keuschheit verlangt von uns, dass wir uns von unseren Bindungen an die Welt der Materie innerlich lossagen, zuallererst von den Bindungen an die Welt des Geldes und des Kapitalismus. Dann aber auch von allen anderen Bindungen, an denen Menschen doch so hängen. Das betrifft, wie wir gleich sehen werden, auch die Forderung der Gesellschaft, uns moralisch korrekt zu verhalten.

Im Christentum spielt die Metapher von Gott als Vater eine zentrale Rolle. Dabei kommt die Radikalität der Keuschheit klar zum Ausdruck: Wir entsagen unserer Herkunft als Menschen, indem wir Vater und Mutter verlassen. Damit verlassen wir innerlich auch die Gesellschaft. (Wir können die Gesellschaft nur innerlich verlassen, weil wir bereits bei der Begegnung mit einem anderen Menschen in Gesellschaft sind.)

Damit widerstehen wir auch den Forderungen der Gesellschaft nach dem, was sie gerade aus dem herrschenden Zeitgeist heraus als gut und richtig empfindet und was sie aus dem gleichen Zeitgeist heraus gerade als unmoralisch und falsch bezeichnet. Wir interessieren uns nicht für die gerade herrschende Moral und die damit einhergehende Unmoral. Wir sind kein Produkt des Zeitgeistes mehr.

José Tolentino Mendonça, seit 2011 Berater des Papstes für Kultur, formuliert es so: "Alle Menschen, die mit schlechten und auch die mit guten Erfahrungen, sind dazu aufgerufen, Vater und Mutter hinter sich zu lassen, um diesen Gott, der Vater ist, zu entdecken, ihn in ihrem tiefsten Inneren zu entdecken."

Und weiter: "Vater und Mutter hinter sich zu lassen, bedeutet, symbolisch nicht nur die menschliche Familie, die uns hervorgebracht hat. Es bedeutet vielmehr, den gesamten sozialen und kulturellen Kontext hinter sich zu lassen, der uns schliesslich auch geprägt hat.

Denn wir sind das Ergebnis dessen, was andere von uns denken, wie andere uns sehen oder wie wir denken, dass wir gesehen werden, davon, was die anderen von uns erwarten, was andere als gut ansehen.

Wir sind das Ergebnis der Wünsche, die wir uns zu eigen gemacht haben, das Ergebnis dessen, was wir für das Beste halten, für das, was uns die besten Gelegenheiten bietet.

Wir sind das Ergebnis einer umfangreichen Summe von Faktoren, die uns unablässig umgeben.

Aber es kommt ein Augenblick, in dem man sagen muss: Ich möchte nicht nur die Frucht meines leiblichen Vaters sein (wobei Vater alles das bedeutet, was wir gerade bedacht haben). Ich möchte jetzt von "unserem Vater" hervorgebracht werden, zu dem Jesus mich beten lehrt."

Felix Baumgartner

Eros

Bild Eros und Psyche

Eros ist der Gott der begehrlichen Liebe. Der Ausdruck Eros kann im Deutschen unter anderem mit „Liebe“ oder „Begehren“ wiedergegeben werden. Er bezeichnet in der antiken griechischen Literatur und in der philosophischen Tradition eine unterschiedlich definierte und beschriebene Form starken Begehrens oder Verlangens, das den Menschen wie eine übermenschliche Macht zu ergreifen scheint.
(Wikipedia)

Wer ist es, der hier mit übermenschlicher Kraft nach dem Menschen greift? José Tolentino Mendonça beschreibt diese Kraft in einem Text über das Vaterunser:

"Nur jemand, der völlig den Kopf verloren hat, kann so etwas sagen. Denn es bedeutet, die Trümpfe aus der Hand zu geben, seine eigene Kraft aufs Spiel zu setzen; es bedeutet, Tür und Tor einem Sturmwind zu öffnen, der alles durcheinanderwirbelt; es bedeutet, einem Ausgehungerten, nämlich Gott, ein Festmahl anzubieten, einem, der hungert nach Liebe.

Zu sagen 'Es werde' bedeutet, Tür und Tor unseres Lebens jemandem zu öffnen, der alles will."

Zwischenräume

Ich traf dich gestern nacht in deinen Zwischenräumen und hatte etwas Zeit, sie auszufüllen.
Du konntest währenddessen von der großen Liebe träumen.
Ich war darauf bedacht, dich zu enthüllen.

Ich blätterte an dir, da lagst du endlich entblättert, karg und hilflos da.
Ich zeigte mich dafür erkenntlich.
Und legte mich zu dir und war Dir nah.

Und bin in deine zarten Träume eingebrochen. Und nahm dir deinen Prinzen wieder weg.
Und bin ganz traumlos, aber ganz in dich gekrochen. Das hatte keinen Sinn, das hatte keinen Zweck.

Das war nur ein Moment, der ohne Lügen den Kreislauf dieser Welt zum Stehen brachte.
Wir konnten zwanglos über uns verfügen. Und da war nichts, was uns beschränkte und bewachte.

Und da war nichts mehr, was uns uns verbot. Wir schnitten die Verbote einfach ab.
Die Zeigefinger unsrer Väter und die Atemnot. Und alles das, wofür man uns erzogen hat.

Du siehst, man kann auch ohne Traumprinz lieben. Du gibst dich dir, sonst nichts.
Und ohne Angst siehst du dich einig werden mit den Trieben. Und du erkennst, dass du Jahrhunderte bezwangst.

Konstantin Wecker

Shiva & Shakti

Shiva und Shakti in einem indischen Tempel

Shiva und Shakti sind zwei Figuren aus dem Hinduismus. Shiva ist der Name für „Bewusstsein“, welches als unbeweglich, ewig, unvergänglich gilt, als Substrat hinter allem, wie die Leinwand, auf der sich das Weltgeschehen abspielt. Die Leinwand ist unberührt von den Geschehnissen des Kinofilms, aber absolut nötig, damit man das Filmdrama erleben kann.

In den Upanischaden ist Shiva der letztere Vogel:

"Wie zwei goldene, in engster Freundschaft auf ein und demselben Baum thronende Vögel wohnen das Ego und das Selbst in demselben Körper. Das Erstere isst die süßen und sauren Früchte vom Baum des Lebens, während das Letztere innerlich losgelöst zusieht."

Shakti steht wie Shiva in engem Zusammenang mit einer, aus westlicher Sicht, mittelalterlichen Form erotischer Mystik. Neben Shakti gibt es im Hinduismus noch unzählige weibliche Gottheiten.

Fritjof Capra: "Dieses Übermass an Göttinnen zeigt erneut, dass die körperliche und sinnliche Seite der meschlichen Natur, die immer mit dem Weiblichen in Verbindung gebracht wird, im Hinduismus ein integraler Teil des Göttlichen ist. Hindu-Göttinnen treten nicht als heilige Jungfrauen auf, sondern in sinnlicher Umarmung von hinreissender Schönheit."

Nisargadatta Maharaj:
Liebe teilt sich in die zwei Geschlechter auf und daraus erwuchs diese Trennung. Doch im Moment der Verwirklichung löst sich diese Trennung auf. Wenn du erkennst, dass Du bist, dass alles das Spiel von Shiva und Shakti ist, dann weisst Du, dass all dies nur eine Illusion ist und wirst frei sein von Freude und Leid.

Ramesh Balsekar:
Shiva und Shakti sind so innig vereint, dass sie sich ständig gegenseitig verschlingen, um jeden Bruch ihres Einsseins zu verhindern. Sie trennen sich nur, um in ihrer Liebe Freude aneinander zu haben.

Gottes Begehren nach dem Menschen findet seinen Ausdruck im Begehren des Männlichen nach dem Weiblichen. Keuschheit ist die Antwort auf dieses Begehren. Es kommt zum Liebesspiel. Mit den Worten der Upanischaden:

"Wie ein von einer liebenden Frau umfangener Mann kein Bewusstsein von draussen oder drinnen hat, so hat dieser in dem Körper wohnende Atman (Seele), von dem erkennenden Atman umfangen, kein Bewusstsein von draussen und drinnen."

Die Franzosen nennen den Orgasmus 'le petit mort', der kleine Tod.

Religion

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Horizont Emmental

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